Warum Bali

Darf man noch nach Bali reisen?

Eigentlich sollte mein erster Stop auf meiner Reise auf die andere Seite der Welt nicht Bali sein, sondern Papua-Neuguinea, da mich die Kultur der indigenen Bevölkerung – der Papuas – schon seit geraumer Zeit interessiert. Leider warnt das Auswärtige Amt jedoch wegen der hohen Kriminalitätsrate und den politischen Unruhen – vor allem, wenn es um alleinreisende Frauen geht – vor der Einreise und da ich schließlich wieder gesund nach Hause kommen möchte, fiel die zweite Wahl auf Bali.

Bereits vor vielen Jahren hatte ich gemeinsam mit meiner Mutter Bali während einer Südostasien-Rundreise besucht und war damals bereits von den freundlichen Menschen, der besonderen Kultur, die unter anderem auf einer einzigartigen Ausprägung der hinduistischen Religion beruht, dem unverwechselbaren Baustil und der beeindruckenden Natur – eine Mischung aus Dschungel und Reisterrassen – fasziniert.

Massentourismus und seine Auswirkungen

Unterdessen gibt es allerdings viele, vor allem ökologische Gründe, warum Bali als Reiseziel tabu sein sollte:

  • Zu viele Touristen produzieren zu viel Müll, der hauptsächlich aus Plastik besteht und im Meer landet.
  • Da Touristen gerne mobil sind, kommen immer mehr Autos und Scooter (Roller) zum Einsatz, die für zunehmende Luftverschmutzung und Verkehrschaos verantwortlich sind.
  • Mehr Menschen verbrauchen mehr Wasser: durch den erhöhten Wasserverbrauch sinkt der Grundwasserspiegel teilweise dramatisch.
  • Mehr Menschen benötigen aber auch mehr Unterkünfte: ein gigantischer Bauboom verdrängt vielerorts die ursprünglichen Reisfelder, die der Insel ihren eigentlichen Charme geben.
  • Hinzu kommt, dass immer weniger Balinesen die anstrengende Bewirtschaftung der Reisfelder betreiben möchten, sondern lieber in der Tourismusindustrie arbeiten.

Das alles hat weitreichenden Folgen für das ökologische System der Insel und die Zukunft ihrer Bewohner, deren Abhängigkeit vom Tourismus mit jedem Jahr weiter steigt. Denn was passiert, wenn aufgrund der zunehmenden Umweltverschmutzung und der massiven Eingriffe in die Natur plötzlich weniger Urlauber nach Bali reisen?

Jedenfalls waren die genannten Gründe für mich ausschlaggebend, Bali zu meiden. Ganz abgesehen davon, entwickelt sich durch die vielen Reiseblogs, die von einer Reise nach Bali aufgrund der ökologischen Problematik abraten, mittlerweile so etwas wie eine ‚Bali-Scham‘, äquivalent zur bereits etablierten Flugscham, die ja bei einer Fernreise nach Bali zusätzlich bedient wird. Es ist daher fast unverantwortlich nach Bali zu reisen und von dort aus attraktive Bilder und positive Berichte zu posten (falls es einem dort tatsächlich gefällt), wenn man sein Verhalten ernsthaft an Umweltverträglichkeit ausrichten möchte.

Bali eine Chance geben

Dann aber sah ich im Fernsehen eine Dokumentation über die Anstrengungen, die von privaten Initiativen unternommen werden, um die Umweltzerstörung zu bremsen und die Einheimischen für eine nachhaltige Lebensweise zu sensibilisieren. Hierzu gehört zum Beispiel die Organisation ecoBali, deren Ziel es ist, den Müll weitestgehend zu recyceln oder zu kompostieren und deren Mitglieder in Workshops und lokalen Schulen Mülltrennung und Müllvermeidung unterrichten.

Es wurde ebenfalls berichtet, welche Anstrengungen sowohl Privat- als auch Geschäftsleute mittlerweile unternehmen, um die Umweltprobleme wieder in den Griff zu bekommen bevor die Touristen fern bleiben, denen sie – und das ist die andere Seite der Medaille – durchaus einen höheren Lebensstandard verdanken als ihn frühere Generationen hatten.

Und so kam es, dass ich mir dann doch selbst ein Bild machen wollte wie es um Bali und die Balinesen heute steht. Vom 1. Februar bis zum 17. Februar bin ich also nun in Bali, wo es zuerst nach Ubud geht, und werde meine Erfahrungen hier auf meinem Blog teilen.

 

 

 

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