Frauen for Future

Bewegte Frauen damals und heute

Der Frauenbewegung und ihren Mitstreiterinnen in allen gesellschaftlichen Schichten ist es in über 150 Jahren gelungen, die rechtliche Gleichstellung der Frauen zu erreichen. Seit Luise Otto-Peters 1865 in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF) gegründet hat, ist viel passiert. Und das, obwohl es „die“ Frauenbewegung nie gab, denn in verschiedenen Gruppierungen wurden zu vielen Themen unterschiedlichste Positionen vertreten. Heute ist es kaum zu fassen, dass erst 1918 in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde und noch bis 1977 Frauen die Erlaubnis ihrer Männer einholen mussten, bevor sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben konnten!

Und auch heute sind Frauen in Wirtschaft und Politik bei weitem noch nicht paritätisch vertreten. Vermutlich dauert es noch Jahrzehnte, bis es zum Beispiel in den Parlamenten der Länderregierungen und im Bundestag, der Bundesregierung oder in höheren Positionen in der freien Wirtschaft einen Anteil von 50 Prozent Frauen gibt – wenn dieser überhaupt je erreicht wird.

Nach wir vor engagieren sich Frauen in feministischen Gruppen und setzen sich in den etablierten Parteien und den Gewerkschaften für die tatsächliche Gleichstellung von Frauen ein. Prominentere Feministinnen wie zum Beispiel Alice Schwarzer¹, Margarete Stokowski², Svenja Flaßpöhler³ und einige andere mischen sich hierzulande ebenfalls immer wieder in öffentliche Debatten ein, um auf die Benachteiligung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen aufmerksam zum machen. Und nach wie vor ist auch der moderne Feminismus keine einheitliche Bewegung, da zum Teil stark divergierende Positionen vertreten werden.

¹ Gründerin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma
² Philosophin und freie Autorin
³ Philosophin und Herausgeberin des Philosophie Magazins

Junge Frauen auf dem Vormarsch

Erfreulicherweise sind die Frauen des 21. Jahrhunderts äußerst bewegt und rührig, und zwar vor allem die jüngeren Frauen, die in Anbetracht des Klimawandels bei der Gestaltung ihrer und der Zukunft ihrer Kinder nicht nur ein stärkeres Mitspracherecht einfordern, sondern auch die Politiker in die Pflicht nehmen wollen, schärfere und weitreichendere Maßnahmen gegen den Klimawandel gesetzlich zu verankern.

Doch jenseits aller Geschlechterzugehörigkeit betrifft der Klimawandel die gesamte Menschheit. Auch wenn es nach wie vor wichtig ist, feministische Anliegen und Ziele zu verfolgen, tritt deren Relevanz in Anbetracht der drohenden Klimakatastrophe eher in den Hintergrund – wie viele anderen politischen Ziele wohl ebenfalls. Allerdings werden Frauen und Kinder in vielerlei Hinsicht am ehesten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein. Sehr aufschlussreich und interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Artikel von Veza Clute-Simon auf der Internetseite der Heinrich-Böll-Stiftung. Hier weist Frau Clute-Simon, die selbst der jüngeren Generation angehört, unter anderem darauf hin, dass Geschlechter- und Klimagerechtigkeit eng miteinander verflochten sind.

Dass die „Fridays for Future“-Bewegung in Deutschland vor allem von jungen, gut gebildeten Frauen geprägt wird, belegen Studien der Heinrich-Böll-Stiftung, der Otto-Brenner-Stiftung und des Berliner Instituts für Protest- und Bewegungsforschung. Sie alle ließen sich von Greta Thunberg inspirieren, die im August 2018 den ersten „Schulstreik für das Klima“ vor dem schwedischen Parlament abgehalten und damit die weltweite Protestbewegung ausgelöst hatte.

Es geht uns alle an!

Auch die Ergebnisse von Befragungen, die Forscher der TU Chemnitz gemeinsam mit Wissenschaftlern anderer Institute in 13 Städten in neun Ländern durchführten, ergaben, dass bis zu 70 Prozent der rund 1,6 Millionen Demonstranten, die am 15. März dieses Jahres am ersten globalen Klimastreik teilnahmen, weiblich waren.

In Deutschland wird die Protestbewegung in der Öffentlichkeit hauptsächlich von Carla Reemtsma, Leonie Bremer und Luisa Neubauer angeführt. Und wie verhält es sich mit uns älteren Frauen? Luisa Neubauer kritisierte in einem Interview, das am 28. Mai dieses Jahres im Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde, dass sich zu wenig ältere Menschen – Frauen wie Männer – für den Klimaschutz einsetzen: „Mich irritiert, dass immer noch so deutlich junge Menschen auf die Straße gehen und immer noch wenige Ältere sich anschließen. Da wird es höchste Zeit in meinen Augen, weil es ist nicht der Job einer Generation, was wir hier machen.“

Verstehen wir 50+ Frauen doch diese Aussage als Aufruf, uns den jüngeren Frauen anzuschließen und den Kampf gegen den Klimawandel ebenfalls aufzunehmen. Das heißt nicht zwangsläufig, dass wir auf die Straße gehen müssen, sondern wir können auch in unserem Alltag einiges beitragen, in dem wir zum einen unser Konsumverhalten kritisch prüfen und zum anderen dieses Thema in unseren Familien und in unserem sozialen Umfeld ansprechen. Denn der Klimawandel und seine Auswirkungen betrifft uns alle, auch wenn zu viele noch die Augen davor verschließen. Lassen wir die Jüngeren also nicht im Stich und packen es gemeinsam an!

Übrigens: Ich verpflichte mich hiermit, keine weitere Kreuzfahrt zu buchen.

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